Bericht und Fotos vom 70. Jahrestag der Selbstbefreiung

21. August 2015

„ ‚Kameraden, wir sind frei!‘ Mit dem Schwur von Buchenwald in die Zukunft“

lautete das Thema für das 6. Treffen der Nachkommen, zu dem die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora aus Anlass des 70. Jahrestages der Selbstbefreiung und Befreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald eingeladen hatte. „Kameraden, wir sind frei!“ waren die Worte des Lagerältesten Hans Eiden, die über die Lautsprecheranlage in jeden Winkel des Lagers drangen. Für viele Häftlinge mögen diese Worte nicht fassbar gewesen sein. Für nicht wenige andere waren sie das Ergebnis des erbarmungslos gegen den deutschen Faschismus und im Besonderen gegen die SS im KZ Buchenwald geführten, disziplinierten illegalen Kampfes, der so viele Opfer gekostet hatte. Für alle war es die Stunde ersehnter Freiheit, die Stunde des Neubeginns.

Dem bedeutenden Ereignis des 70. Jahrestages der Selbstbefreiung und Befreiung Rechnung tragend hatte die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora ein anspruchsvolles Programm vorbereitet. Bereits am Freitag, dem 10. April 2015 organisierte Elke Pudszuhn eine Sonderführung für Mitglieder des Stadtsportbundes Gera. In diesem Rahmen sprachen Gisela Plessgott zur Biografie ihres Vaters Reinhold Lochmann und Wolf Stötzel zu der seines Vaters August Stötzel. Emotional berührend und faktenreich brachten beide zwei Menschen nahe, die als politische Häftlinge, illegal organisiert, sich selbst zu behaupten vermochten und aktiv gegen die SS Widerstand zu leisten fähig und in der Lage waren. Höhepunkt dieser Zusammenkunft im Torgebäude war die Übergabe des Nachlasses von Reinhold Lochmann durch seine Töchter Gisela Plessgott und Regina Grzam an die Leiterin des Archivs Gedenkstätte Buchenwald, Sabine Stein.

Neben persönlichen Dokumenten und Fotos übergaben die Töchter jene Häftlingsjacke mit dem Roten Winkel und der Häftlingsnummer 2455, mit der Reinhold Lochmann das Lager nach der Befreiung verlassen hatte. Sorgsam behütet, befand sich die Jacke bisher im Familienbesitz. Sabine Stein fand warmherzige anerkennende Worte für den Entschluss der Familie, den Nachlass in das Buchenwaldarchiv zu geben. Bei einem Rundgang auf dem Lagergelände gaben Elke Pudszuhn, Gisela Plessgott und Wolf Stötzel von ihren Vätern übermittelte Episoden aus dem Lageralltag wieder. Es ergaben sich vielfältige interessante Gespräche, an denen weitere Mitglieder der Lagerarbeitsgemeinschaft beteiligt waren. Immer wieder wurden Bezüge zu aktuellen Entwicklungen, zu Neofaschismus, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus und Rechtspopulismus in Deutschland und anderen europäischen Staaten hergestellt. Sowohl von den Geraer Gästen als auch von den Mitgliedern der Lagerarbeitsgemeinschaft wurde diese Begegnung sehr positiv bewertet.

Der Sonnabend, 11. April 2015, begann mit einem außerordentlichen Ereignis. Im Rahmen des Projekts „1 000 Buchen für Buchenwald“, geführt vom Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda e. V. wurden an der Ettersburger Straße, gegenüber dem Beginn der Blutstraße zur Erinnerung an Häftlinge des KZ Buchenwald zwölf Obstbäume gepflanzt. Gedenktafeln an den Baumscheiben werden künftig an

• die Kinder von Buchenwald

• die deutschen Häftlinge Walter Bartel Paul Böhme Emil Carlebach Otto Kipp Erich Loch Reinhold Lochmann August Stötzel

• die französischen Häftlinge Marcel Bloch-Dassault Marcel Paul Frédéric Henri Manhes

• den polnischen Häftling Stanisław (Władysław) Majchrzak
erinnern.

Im engen vertrauensvollen Zusammenwirken mit Martina Heller, der Projektleiterin „1 000 Buchen für Buchenwald“ vom Lebenshilfe- Werk Weimar/Apolda e. V., hatte Reinhold Loch von der Lagerarbeitsgemeinschaft dieses Ereignis umsichtig organisiert. Internationale Beachtung fand die Veranstaltung durch die Anwesenheit des Präsidenten des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Bertrand Herz, des Vorsitzenden des Beirates der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora, Floréal Barrier, von Angehörigen ehemaliger Buchenwalder Häftlinge aus Frankreich und des Oberbürgermeisters der französischen Partnerstadt Blois, Marc Gricourt sowie Gästen aus Polen, Spanien, Italien und Norwegen. Eingestimmt durch das Blockflötenspiel der blinden Martina Rother, wurden die über zweihundertfünfzig Anwesenden vom Aufsichtsratsvorsitzenden des Lebenshilfe-Werks Weimar/Apolda e. V., Pfarrer Justus Lencer, begrüßt.Er hob die Bedeutsamkeit des Gemeinsamen hervor, das für die Häftlinge im Lager lebenswichtig gewesen sei, gleichermaßen für das Zusammenleben der Menschen unentbehrlich ist. „… Manchmal meinen wir, es gebe welche, die wir nicht dabei haben wollen. Das erleben wir immer wieder und das trifft uns dann, wenn wieder getrennt und geschieden wird. Aber auf unserem Weg der Erinnerung brauchen wir immer wieder Situationen und Stellen, wo wir uns dann erinnern, was war und bedenken, was sein könnte. Ich begrüße Sie ganz herzlich auf diesem Weg des Miteinandergehens, dass wir weiter fertig bringen, Solidarität zu üben und Gemeinschaft, dass wir wissen, warum das so ist, was die erleben mussten, die da oben [im KZ] waren und dass wir nicht vergessen, sondern immer weitergeben …“ Der Oberbürgermeister der Stadt Weimar, Stefan Wolf, nannte in seinem Grußwort die Baumpflanzaktion ein europäisches Friedensprojekt.

Vom Jugendverein „Roter Baum“ e. V. Dresden gab Sven Keitel ein Geigensolo und Aaron Rohde las einen Text zum „Kinderbaum“, der von diesem Verein, der Partei DIE LINKE und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Sachsen – Dresden gestiftet wurde. Nach weiterem Flötenspiel von Martina Rother, der Übergabe von Urkunden an die Stifter der Bäume und abschließenden Worten von Martina Heller, dankte Peter Hochmuth im Auftrag des Vorsitzenden der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora, Günter Pappenheim, dem Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda und Reinhold Loch für diese eindrucksvolle Veranstaltung. Die Ansprachen für die Kinder, für ehemalige deutsche, französische, polnische Häftlinge, derer mit der Baumpflanzaktion gedacht wird, sind in einer Broschüre dokumentiert. Am Nachmittag vereinte die Einweihung eines Gedenksteins für die spanischen Buchenwaldhäftlinge am ehemaligen Block 45 viele Menschen, darunter Mitglieder der Lagerarbeitsgemeinschaft und Freunde und Kämpfer der Spanischen Republik.

In Anwesenheit des spanischen Botschafters in Deutschland enthüllte Günter Pappenheim, Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora, den Gedenkstein mit der Inschrift Zu Ehren und zum Gedenken an die Spanischen Republikaner, die in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert wurden. Für den Abend hatte die Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald- Dora zu einem Konzert mit Barbara Thalheim in die Weimarer Jakobskirche eingeladen. Mit ihren Liedern und ihrer mitreißenden Interpretation begeisterte Barbara Thalheim das Konzertpublikum. Andere Mitglieder der Lagerarbeitsgemeinschaft und Gäste fanden sich im Hotel „Kaiserin Augusta“ zu Erfahrungsaustausch und gemütlichem Beisammensein bei „Rotem Wein und Roten Liedern“ zusammen.

Sonntag, der 12. April 2015, war geprägt durch das 6. Treffen der Nachkommen und dem nahezu zeitgleich im Deutschen Nationaltheater Weimar stattfindenden Europäischen Gedenkakt der Thüringer Landesregierung und des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos. Die deutschen Überlebenden Günter Pappenheim, Ottomar Rothmann, Gert Schramm und Klaus Trostorff nahmen an dem Gedenkakt teil, sodass das 6. Treffen der Nachkommen zum ersten Mal ohne die noch lebenden Kameraden stattfinden musste. Unsere Veranstaltung begann mit dem Einspiel einer DVD. Bildkünstlerische Arbeiten von Häftlingen, Fotos, Texte, Musik waren zu einer nachhaltig wirkenden, emotional beeindruckenden Montage zusammengestellt. Doris Zorn und Gerhard Hoffmann hatten dieses Einspiel inhaltlich, Carsten Wölk technisch vorbereitet. Mitgewirkt hatte Wolf Stötzel. Die Grußworte und der Vortrag von Kurt Pätzold sowie die Erklärung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens fanden breite Zustimmung. Der Gesang von Barbara Thalheim begeisterte die Anwesenden. Gemeinsam sangen alle zum Abschluss das Buchenwaldlied. Die anlässlich des Treffens gehaltenen Ansprachen werden  wie die zugänglichen Reden, die im Deutschen Nationaltheater Weimar gehalten wurden in der Broschüre dokumentiert. Am Nachmittag fanden die Gedenkfeier des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos auf dem ehemaligen Appellplatz und das Gedenken am Glockenturm statt.

Neben den Reden, die auf dem ehemaligen Appellplatz gehalten wurden, beeindruckte die über zweitausend Anwesenden das Verlesen des Schwurs durch sechs ehemalige Häftlinge – Ottomar Rothmann aus Deutschland, Alojzy Maciak aus Polen, Edward Carter Edwards aus Kanada, Pavel Kohn aus Tschechien, Gaston Viens aus Frankreich und Boris Romantschenko aus der Ukraine. Den Höhepunkt der Gedenkfeier bildete die Rückgabe der Ziehharmonika an Günter Pappenheim, die er den französischen Buchenwaldkameraden zum Geschenk gemacht hatte. Die Rückgabe verbanden die Franzosen mit dem Wunsch, dass das Instrument und seine Geschichte in die neue ständige historische Ausstellung der Gedenkstätte Buchenwald aufgenommen wird.

Auf der Ziehharmonika hatte Günter Pappenheim für französische Zwangsarbeiter am 14. Juli 1943 die Marseillaise gespielt. Dafür wurde er im KZ Buchenwald inhaftiert. Die auf dem ehemaligen Appellplatz gehaltenen Reden sind ebenfalls in der Broschüre dokumentiert. Mitglieder der Lagerarbeitsgemeinschaft nahmen an der Ehrung am Glockenturm teil. Am Montag, dem 14. April 2015 gehörten Mitglieder der Lagerarbeitsgemeinschaft zu den Teilnehmern an der Gedenkveranstaltung in Mittelbau-Dora.

Gerhard Hoffmann

Die Broschüre „70. Jahrestag Selbstbefreiung der Häftlinge des KZ Buchenwald 2015“ erscheint in der 37. Kalenderwoche 2015 und ist über die c/o Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e. V. VVN-BdA Bundesbüro Magdalenenstraße 19, 10365 Berlin zu beziehen.

Kundgebung auf dem ehemaligen Appellplatz

Kundgebung auf dem ehemaligen Appellplatz

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Professor Kurt Pätzold

Professor Kurt Pätzold

Barbara Thalheim

Barbara Thalheim

Marco Puppini

Marco Puppini

VI. Treffen der Nachkommen im Kinosaal der Gedenkstätte

VI. Treffen der Nachkommen im Kinosaal der Gedenkstätte

Bertrand Herz (l.), Günter Pappenheim bei der Enthüllung des Gedenksteins für die Republikanischen Spanier

Bertrand Herz (l.), Günter Pappenheim bei der Enthüllung des Gedenksteins für die Republikanischen Spanier

Laurent Dassault (l.), Dominque Durand bei der Baumpflanzaktion

Laurent Dassault (l.), Dominque Durand bei der Baumpflanzaktion

Am Baum für die Kinder von Buchenwald. Dresdener Schüler_innen sind  Paten des Baumes

Am Baum für die Kinder von Buchenwald. Dresdener Schüler_innen sind
Paten des Baumes

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Häftlingsjacke von Reinhold Lochmann

Häftlingsjacke von Reinhold Lochmann

Nachruf: Klaus Trostorff 12. November 1920 – 7. August 2015

9. August 2015

 

Klaus Trostorff (hintere Reihe, 3. v.l.) im Kreis politischer Häftlinge unmittelbar nach der Selbstbefreiung der Häftlinge des KZ Buchenwald, April 1945. Quelle: Sammlung Gedenkstätte Buchenwald 013-02.076, Aufnahme Alfred Stüber.

Klaus Trostorff (hintere Reihe, 3. v.l.) im Kreis politischer Häftlinge unmittelbar nach der Selbstbefreiung der Häftlinge des KZ Buchenwald, April 1945.
Quelle:
Sammlung Gedenkstätte Buchenwald 013-02.076, Aufnahme Alfred Stüber.

Am 7. August 2015 starb in Erfurt der ehemalige Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald, Klaus Trostorff, im fünfundneunzigsten Lebensjahr. Weil er Widerstand gegen den deutschen Faschismus geleistet hatte, verhaftete ihn die Gestapo Ende 1943 und wies ihn nach monatelangen Verhören im Gestapo-Gefängnis Breslau in das KZ ein. Dort war er der politische Häftling mit der Nummer 1819.

Nachdem er einige Wochen im Block 63 des Kleinen Lagers war, wies ihn die SS strafverschärfend als einzigen deutschen Häftling in das Lager für sowjetische Kriegsgefangene ein. Diese Ausnahmesituation führte zunächst zu Argwohn und großer Distanz. Nachdem seine Zuverlässigkeit überprüft und erprobt war, nahmen ihn die Kameraden in die Gemeinschaft der sowjetischen Kriegsgefangenen auf. »Ich habe in Buchenwald großartige Kumpel, großartige Freunde, Kameraden kennen gelernt – mutig, ehrlich, hilfsbereit […] ich habe ihnen wirklich mein Leben zu verdanken […]«, sagte er in einem Gespräch. Nachruf: Klaus Trostorff 12. November 1920 – 7. August 2015 weiterlesen »

Erklärung des Internationalen Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos zum Urteil des LG Lüneburg gegen den Ex SS-Mann Oskar Gröning

7. August 2015

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Das Internationale Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos erklärt zum Urteil des Landgerichts Lüneburg vom 15. Juli 2015 im Prozess gegen den gegen den ehemaligen SS-Mann Oskar Gröning:

Wir sehen in dem Urteil, das siebzig Jahre nach der Befreiung der Vernichtungs- und Konzentrationslager und dem Ende des verheerenden Krieges durch ein deutsches Gericht gesprochen wurde, eine Bestätigung der Hoffnung Überlebender auf Gerechtigkeit. Erklärung des Internationalen Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos zum Urteil des LG Lüneburg gegen den Ex SS-Mann Oskar Gröning weiterlesen »

Meine Gedanken zum 70. Jahrestag der Selbstbefreiung des Konzentrationslagers Buchenwald am 11. April 1945

1. April 2015

Was mit der Befreiung der Häftlinge am 27. Januar 1945 in Auschwitz begann, endete erst am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation Hitlerdeutschlands. Das war noch ein beschwerlicher, und opferreicher Weg bis dahin und kostete viele Häftlinge in den Lagern das Leben. Sollten doch keine Beweise ihrer Verbrechen übrig bleiben.
Meine Eltern Hans und Else Raßmann aus Zella – Mehlis – hatten bereits 1933 mit dem KZ Bad Sulza Bekanntschaft gemacht und ihre Strafe wegen Vorbereitung zum Hochverrat… abgesessen.
Die Freundschaft mit Magnus und Lydia Poser seit der gemeinsamen Haftzeit führte danach zur illegalen Widerstandsarbeit in Thüringen, die als die Neubauer- Poser- Organisation in die Geschichte eingegangen ist. Dr. Theodor Neubauer und Magnus Poser waren bereits verhaftet und Magnus beim Fluchtversuch angeschossen, schwer verletzt in den Häftlingskrankenbau des KZ Buchenwald zur Operation gebracht, verstarb am 21.7.1944. Seine letzten Worte waren: Grüßt mir meinen Freund Theo.
Im Rahmen der Verhaftungswelle nach dem missglückten Attentat auf Hitler, kam auch mein Vater am 20. August 1944 nach Buchenwald und erhielt die Häftlingsnummer 81 706. Meine Gedanken zum 70. Jahrestag der Selbstbefreiung des Konzentrationslagers Buchenwald am 11. April 1945 weiterlesen »

Erbe antreten – Vermächtnis weitertragen

21. März 2015

Erklärung der Lagergemeinschaften, Komitees und Interessenverbände
ehemaliger Häftlinge zum 70. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager

Vor 70 Jahren wurden die Häftlinge der Konzentrationslager durch Angehörige der
sowjetischen, amerikanischen, britischen, französischen und polnischen Streitkräfte
befreit.

Am 19. April 1945 versammelten sich ehemalige Häftlinge des selbstbefreiten
Konzentrationslagers Buchenwald zu einer Trauerkundgebung für ihre ermordeten
Kameraden und erklärten feierlich:

» Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stelle des faschistischen Grauens: Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig. «

Der Schwur von Buchenwald ging in die Geschichte ein. Ehemalige Häftlinge anderer Konzentrationslager, wie Auschwitz, Dachau, Mauthausen, Neuengamme,
Ravensbrück und Sachsenhausen schlossen sich ihm an.

Nach ihrer Befreiung haben die ehemaligen Häftlinge Interessenverbände aufgebaut
und deren Arbeit jahrzehntelang maßgeblich gestaltet. Sie haben sich in den
zurückliegenden 70 Jahren immer wieder dafür engagiert, eine Wiederkehr ähnlicher
Verbrechen zu verhindern. Sie brachten insbesondere jungen Menschen ihre Erlebnisse und Erfahrungen in den Lagern nahe. Sie erzählten von dem Leid, das sie in ihrer eigenen Jugend erfahren mussten, von ihrem Widerstand und dem ihrer verstorbenen und ermordeten Kameradinnen und Kameraden. Besonders wichtig war es ihnen, an die Ursachen für diese Verbrechen zu erinnern und die Täterinnen und Täter beim Namen zu nennen.

In ihrem Vermächtnis
» Erinnerung bewahren – authentische Orte erhalten – Verantwortung übernehmen « vom 25. Januar 2009 erklärten KZ-Überlebende, die die internationalen Komitees von neun Lagern vertraten, öffentlich:

» Unsere Reihen lichten sich. In allen lnstanzen unserer Verbände, auf
nationaler wie internationaler Ebene, treten Menschen an unsere Seite, um die Erinnerung aufzunehmen. Sie geben uns Vertrauen in die Zukunft, sie setzen unsere Arbeit fort. Der Dialog, der mit uns begonnen wurde, muss mit ihnen fortgeführt werden. Für diese Arbeit benötigen sie die Unterstützung von Staat und Gesellschaft.
Die letzten Augenzeugen wenden sich an Deutschland, an alle europäischen Staaten und die internationale Gemeinschaft, die menschliche Gabe der Erinnerung und des Gedenkens auch in der Zukunft zu bewahren und zu würdigen.
Wir bitten die jungen Menschen, unseren Kampf gegen die Naziideologie und für eine gerechte, friedliche und tolerante Welt fortzuführen, eine
Welt, in der Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und
Rechtsextremismus keinen Platz haben sollen. …«

Wir, die Freunde und Mitstreiter, die Hinterbliebenen und Angehörigen der
ehemaligen Häftlinge sowie alle bei uns Engagierten, zusammengeschlossen in den
vielfältigen Interessengruppen, Komitees, Lagerarbeitsgemeinschaften,
Lagergemeinschaften, Initiativgruppen und Freundeskreisen, erklären aus Anlass
des 70. Jahrestages der Befreiung der Konzentrationslager, dass wir dieses Erbe
schon lange angetreten haben und das Vermächtnis weitertragen werden.
Wir verstehen uns als Bestandteil jener Kräfte, die die Erinnerungskultur in
Deutschland und auch international mitgestalten sowie kritisch und engagiert
begleiten.

Daher fordern wir einen gleichberechtigten Platz in den Gremien der für
die Gedenkstätten zuständigen Stiftungen und lnstitutionen.
Wir werden gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern der anderen Häftlings- und Opferverbände, der jüdischen Gemeinden, der Sinti und Roma, der Zeugen
Jehovas, der Schwulen- und Lesbenverbände, der »Euthanasie«- Geschädigten, die
seit vielen Jahrzehnten andauernde Arbeit fortsetzen.

Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um das Vermächtnis unserer
Freundinnen und Freunde, unserer Kameradinnen und Kameraden, unserer Eltern
und Großeltern nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
lhre Erfahrungen und ihr Leiden, ihr Widerstandsgeist und ihre Solidarität, ihr Kampf und ihre Freude am Leben sind uns Ansporn und Verpflichtung.

lhre zentrale Forderung tragen wir weiter:
» Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus! «

26. Januar 2015

Unterzeichnende Verbände:
Lagergemeinschaft Auschwitz – Freundeskreis der Auschwitzer e.V.
Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e.V.
Lagergemeinschaft Dachau e.V.
Deutsches Mauthausenkomitee Ost e.V.
Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen e.V.
Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V.
Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V.
Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Sachsenburg e.V.
Sachsenhausen-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Unterstützer:
Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Stellungnahme der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e. V. gegen geschichtsverfälschende Gleichsetzung der AfD

24. Januar 2015

Mit allem Nachdruck verurteilen die in der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora vereinten ehemaligen Häftlinge, Angehörige ehemaliger Häftlinge des KZ Buchenwald sowie Antifaschistinnen und Antifaschisten den Versuch der rechtspopulistischen und europafeindlichen Partei AfD in Thüringen, die historischen Grundlagen des Gedenktages 27. Januar zu verfälschen. Stellungnahme der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e. V. gegen geschichtsverfälschende Gleichsetzung der AfD weiterlesen »

EINLADUNG zum 6. Treffen der Nachkommen

13. Januar 2015

Nach acht Jahren mörderischen faschistischen Terrors im Konzentrationslager Buchenwald rief der Lagerälteste Hans Eiden am 11. April 1945 über die Lautsprecheranlage der SS: »Kameraden, wir sind frei!« Diesen Worten und dem daraufhin ausbrechenden Jubel der Befreiten war die militärische Befreiungsaktion der illegalen Internationalen Militärorganisation vorausgegangen. Unter Führung des legalisierten Internationalen Lagerkomitees organisierten die Antifaschisten die Übergabe des Lagers an die USA-Streitkräfte. Zugleich bereiteten sich die ehemaligen Häftlinge auf ihre Heimkehr vor, beseelt von dem Willen, Faschismus und Krieg nie wieder zuzulassen. EINLADUNG zum 6. Treffen der Nachkommen weiterlesen »

Tag der Befreiung – 8./ 9. Mai 2015 – Tag des Sieges

5. Januar 2015

Vor 70 Jahren erlebte die Menschheit am 8. und 9. Mai 1945 die endgültige militärische
Zerschlagung des deutschen Faschismus. Diese Daten markieren den Sieg über das
menschenverachtende Regime des Hitler-Faschismus,
• das politische Gegner und Andersdenkende ausgrenzte, verfolgte und inhaftiert,
• das Menschen allein aus einer konstruierten Rassezugehörigkeit als Juden, als Sinti
und Roma, als Slawen millionenfach ermordete,
• das die Staaten in Europa und selbst Länder und Völker in anderen Teilen der Welt
mit Krieg, Okkupation und Vernichtung überzog, mit dem Ziel der imperialen
Hegemonie und der Zerschlagung der Sowjetunion,
• das im grausamen Ergebnis mindestens 55 Millionen Menschen das Leben kostete. Tag der Befreiung – 8./ 9. Mai 2015 – Tag des Sieges weiterlesen »

Nachruf: Viktor Nikolajewitsch Wyscheslawski

5. November 2014

Viktor Nikolajewitsch Wyscheslawski  © Foto: G. Hoffmann

Viktor Nikolajewitsch Wyscheslawski © Foto: G. Hoffmann

Mit Trauer und aufrichtiger Anteilnahme erfuhren wir, dass unser Freund Viktor Nikolajewitsch Wyscheslawski am 18. September 2014 siebenundachtzigjährig in Moskau verstorben ist. Von den deutschen Faschisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland gebracht, musste er in Suhl wie ein Sklave schuften. Vermutlich infolge Verrats geriet er in die Fänge der Gestapo und wurde im Konzentrationslager Buchenwald interniert, wo er die Häftlingsnummer 24797 erhielt. Nachruf: Viktor Nikolajewitsch Wyscheslawski weiterlesen »

Hinrichtung in Poppenhausen

4. November 2014

Am 11. Mai 1942 ließ die SS an der Straße zwischen dem thüringischen Einöd und Poppenhausen zwanzig polnische Zwangsarbeiter als Vergeltungsmaßnahme öffentlich erhängen.

In Erinnerung an dieses unmenschliche Verbrechen fand am 11. Mai 2014 in Poppenhausen eine Gedenkveranstaltung statt.

Am dortigen Denkmal wurde eine Gedenktafel mit den Namen der Ermordeten eingeweiht.

Aus Polen erreichte uns dazu folgender Bericht, den wir mit geringfügigen stilistischen Veränderungen veröffentlichen. Hinrichtung in Poppenhausen weiterlesen »

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